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Praxisberichte

21.10.2008, Stuttgart
Tagung zur Betrieblichen Gesundheitsförderung - Gesundheit der Mitarbeiter wichtig für Unternehmer - Projekt will Bewusstsein der Betriebsinhaber schärfen

Die Gesellschaft und der Arbeitsmarkt verändern sich – die Bevölkerung und damit die Arbeitnehmer werden im Durchschnitt immer älter. In Zukunft wird es notwendig sein, dass ältere Arbeitnehmer möglichst lange im Arbeitsprozess bleiben können. Gesundheit ist dafür eine zentrale Voraussetzung.

„Betriebliche Gesundheitsförderung – Baustein für die Zukunft“ lautete der Titel einer Tagung, bei der sich gestern Vertreter des Berufsbildungsförderers BBQ gGmbH, der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft, der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg, der Handwerkskammer Region Stuttgart, der Innungskrankenkasse (IKK) Baden-Württemberg und Hessen und des regionalen Handwerks mit der Umsetzung von betrieblicher Gesundheitsförderung in kleinen und mittelständischen Handwerksunternehmen beschäftigten.

„Die Gesundheit der Mitarbeiter muss mehr ins Zentrum des Unternehmerinteresses rücken“, forderte Dr. Armin Tschermak von Seysenegg, Ministerialdirigent des Landesministeriums für Arbeit und Soziales. Denn die Gesundheit der Mitarbeiter habe direkten Einfluss auf die Wettbewerbs-, Konkurrenz- und Überlebensfähigkeit des Betriebs.

Dass betriebliche Gesundheitsförderung in kleinen und mittelständischen Unternehmen und im Handwerk ein Muss ist, belegte Prof. Dr. Wolfgang Schlicht, Direktor des Instituts für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Stuttgart, anhand der Altersverteilung in den kommenden Jahrzehnten. In 30 Jahren wird demzufolge jeder Zweite über 60 sein. Schon in 20 Jahren werden über eine Dreiviertelmillion Arbeitskräfte im Arbeitsprozess fehlen.

Da gleichzeitig der Krankenstand ab einem Alter von 50 Jahren steil ansteigt und immer mehr Erkrankungen stressbedingt sind, ist es laut Prof. Schlicht für Betriebe notwendig, mittels Veränderungen in der Arbeitsorganisation die Arbeitsbedingungen zu verbessern, die Mitarbeiter zu motivieren und auch zu persönlichen Verhaltensänderungen zu ermutigen. Immerhin verursachen die 20 Prozent chronisch Kranken (gemessen an der Gesamtbevölkerung) insgesamt 80 Prozent der Krankheitskosten, wie der Gastgeber der Tagung Hubert Seiter, Erster Direktor der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg, in seiner Begrüßung ausgeführt hatte.

Schließlich biete die Betriebliche Gesundheitsförderung auch den Unternehmern einen Mehrwert, erläuterte Prof. Schlicht: „Sie übernehmen in ethischer Hinsicht Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Und sie haben auch auf ökonomischer Seite einen größeren Betriebserfolg. Denn die Produktqualität hängt ab von der Motivation der Mitarbeiter. Diese wiederum ist größer, wenn sie gesund sind. Auf der anderen Seite verringern sich die Kosten, denn kranke Mitarbeiter sind teure Mitarbeiter.“

Allerdings sind diese Erkenntnisse bislang noch nicht ins Bewusstsein von Handwerksunternehmern in kleinen und mittelständischen Betrieben vorgedrungen, stellte die Stuttgarter Kommunikationsberaterin Petra Bonnet fest, die das vom Europäischen Sozialfonds und mit Geldern des baden-württembergischen Sozialministeriums geförderte Projekt zur Betrieblichen Gesundheitsförderung wissenschaftlich begleitet. Im Auftrag der Projektpartner hatte sie eine Online-Befragung von 1200 Handwerksbetrieben im Raum Böblingen durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass der größte Hemmschuh bei der Betrieblichen Gesundheitsförderung neben fehlender Kenntnis der Angebote der mangelnde Leidensdruck ist: So lange die Ausfallzahlen unauffällig bleiben und das Tagesgeschäft keine Zeit und Ressourcen für eine langfristige Zukunftsplanung lässt, beschäftigen sich nur wenige Betriebsinhaber mit dem Thema – schließlich zahlen sich Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung erst längerfristig aus.

In drei Workshops beschäftigten sich die Tagungsteilnehmer deshalb mit der grundlegenden Frage, wie Betriebliche Gesundheitsförderung zu den Betrieben kommen kann. Gemeinsames Ergebnis war, dass dazu idealerweise eine gemeinsame Servicestelle als Ansprechpartner für die Betriebe geschaffen werden sollte


21.10.2008, Stuttgart <br> Tagung zur Betrieblichen Gesundheitsförderung - Gesundheit der Mitarbeiter wichtig für Unternehmer - Projekt will Bewusstsein der Betriebsinhaber schärfen

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