Praxisberichte
09.07.2010, Freiburg
Noten sind wichtig - aber nicht alles
Geschäftsführer von Saturn Freiburg und vom Bürgerhaus Müllheim vermitteln der Kooperationsklasse der Adolph-Blankenhorn-Hauptschule und der Georg-Kerschensteiner-Berufsschule interessante Einblicke in die Berufswelt.
„Wir schauen nicht nur auf die Noten. Die sind schon wichtig, besonders in Mathe und in Deutsch solltet ihr gut aufpassen, denn das braucht ihr auch in der kaufmännischen Berufsschule. Uns ist es aber vor allen Dingen wichtig, dass jemand Freude am Verkaufen hat.“ Diese Aussage von Tobias Bobka vom Elektrohandel Saturn ist nicht gerade das, was Hauptschüler üblicherweise zu hören bekommen, wenn sie sich für einen Beruf interessieren. Viele Ausbildungsmöglichkeiten sind für sie nicht zugänglich, da ein höherer Bildungsabschluss gefordert ist. Tobias Bobka versteht es, die Jugendlichen zu interessieren, ihnen zu vermitteln, dass auch sie Chancen auf einen guten Ausbildungsplatz mit Perspektive haben und sie zu motivieren, sich dafür auch anzustrengen.
Dies gilt ebenso für die Gastronomie. Marcus Ciesiolka vom Bürgerhaus erzählt den Jugendlichen, welche Karrieremöglichkeiten bei entsprechender Motivation und Leistung Köche oder Restaurantfachleute haben. Durch ihre hohe berufliche Qualifikation nach der dualen Ausbildung sind sie in aller Welt gefragte Fachkräfte. Allerdings brechen auch immer wieder gerade Kochlehrlinge ihre Ausbildung ab, da sie mit den Arbeitszeiten nicht zurechtkommen: „Sie arbeiten eben gerade dann, wenn andere frei haben und verlieren dadurch oft ihre Freunde. Aber nach einiger Zeit finden sie neue beispielsweise auf der Berufsschule.“
Eine Führung durch den Betrieb erlaubt einen Blick hinter die Kulissen. Zwei Auszubildende demonstrieren anschaulich, was sie bereits gelernt haben. Von ihnen erfährt die Klasse, was beim Zubereiten von Rindfleischsalat oder beim Eindecken eines Tisches für ein Menü zu beachten ist.
Betriebsbesuche und Berichte aus dem beruflichen Alltag sind wichtige Informationsquellen für die Schüler bei der Berufsorientierung, die ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts in Kooperationsklassen ist. In ihnen erhalten Schüler und Schülerinnen nach der 8. Klasse die Chance, in zwei Jahren den Hauptschulabschluss zu erwerben. Schon im ersten Jahr findet fachpraktischer Unterricht an der Gewerbeschule zusätzlich zum normalen Unterricht statt. Insgesamt vier Praktika sollen den Jugendlichen helfen, sich für einen Beruf zu entscheiden und auf diesem Wege schon einen Ausbildungsbetrieb zu finden.
Hier unterstützt Andrea Gutmann als sozialpädagogische Betreuerin für den gemeinnützigen Bildungsträger BBQ im Auftrag von Südwestmetall die Klassenlehrerin Saskia Bea. Sie ist überzeugt: „Leute aus der Praxis wie Herr Bobka sind für uns sehr wertvoll, da sie die Berufe aus eigener Erfahrung kennen und darstellen. Ihre Berichte und Anekdoten machen die Informationen zum Berufsbild lebendig und greifbar.“ Und wenn dann noch wie in diesem Fall ein Praktikum für die Interessierten in der Klasse winkt, kann das schon eine erste Brücke ins Berufsleben sein.
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